Amelie Fried: Schuhhaus Pallas

Amelie Fried
Schuhhaus Pallas
Wie meine Familie sich gegen die Nazis wehrte
München: Carl Hanser 2008.
187 S., CHF 28.90
ISBN 978-3-446-20983-1

Zur Autorin

Amelie Fried wurde 1958 in Ulm als Tochter des Verlegers Kurt Fried und der Buchhändlerin Inge Fried Ruthardt geboren. Nach dem Abitur 1975 studierte sie von 1976 bis 1983 Theaterwissenschaften, Publizistik, Kunstgeschichte und Italienisch in München. Im Jahr 1989 schloss sie den Studiengang Dokumentarfilm und Fernsehpublizistik an der Hochschule für Fernsehen und Film in München ab.

Seit 1984 arbeitet sie als TV-Moderatorin. Sie moderierte Sendungen wie "Stern-TV" oder "3nach9". Außerdem schreibt Amelie Fried regelmäßige Kolumnen. Seit 1995 veröffentlichte sie diverse Bücher für die sie unter anderem mit einem Deutschen Jugendliteraturpreis (1997) ausgezeichnet wurde.

Amelie Fried lebt mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern in der Nähe von München.

Quelle: Homepage der Autorin

 

Inhalt

Den Anstoss zu Nachforschungen in der eigenen Familiengeschichte gibt Amelie Fried die Entdeckung, dass sie einen Grossonkel Max hatte. 1943 wurde er zusammen mit seiner Frau Lilli in Auschwitz ermordet. Wie kommt es, dass sie noch nie von Max gehört hat? Gibt es noch andere Angehörige, von denen sie nichts weiss und die von den Nazis umgebracht wurden? Und weshalb wurde zu Hause angesichts solcher Vorkommnisse kaum über die Nazi-Zeit gesprochen? Amelie Fried fängt an zu recherchieren. Nur ungern geben Familienangehörige Auskunft: zu gross ist die Scham, Opfer gewesen zu sein, zu gross sind die Schuldgefühle, überlebt zu haben. Grossvater Franz war österreichischer Jude und Besitzer des renommierten Schuhhauses Pallas in Ulm. Als Hitler 1933 zum Reichskanzler gewählt und die Bevölkerung im selben Jahr zum Boykott jüdischer Geschäfte, Arztpraxen und Kanzleien aufgerufen wird, gerät auch Franz unter die Räder. Er wird bis zum Entzug der Existenzgrundlage schikaniert, wehrt sich gegen die Verdrehung des Rechts, bis ihn sein Protest ins Konzentrationslager bringt. Franz überlebt durch Zufall. Sein Überlebenskampf prägt auch das Leben von Kurt, seinem Sohn und Amelies Vater, der so ganz anders ist als Franz. Amelie bringt ihre Nachforschungen zu Papier, nicht zuletzt damit ihre eigenen Kinder um die Familiengeschichte wissen.

Ein erzählendes Sachbuch, das ein Stück düsterste deutsche Geschichte einsichtig macht und gerade durch die genaue, sehr persönliche Kenntnis der Autorin überzeugt.

 

Kommentare

Anzeige: 1 - 4 von 4.

Béa Brügger aus Laupen

Freitag, 27.11.09 14:50

Dieses Buch passt nicht in die gleiche Alterskategorie wie die anderen nomminierten Bücher und ist von mir aus gesehen auch eher ein Sachbuch. Unsere Tochter (12J.) hat sich durchgekämpft, weil sie bei der Auswahl mitmacht. Von einer anderen Teilnehmerin, die zwei Jahre jünger ist, weiss ich, dass sie es gar nicht erst fertig gelesen hat.
Macht es Sinn "Hexenheim Horizont" mit "Schuhaus Pallas" zu vergleichen? Für Jugendliche zwischen 10 und 12 Jahren ist das äusserst schwer!

Assmann Rita aus 5426 Lengnau

Montag, 16.11.09 17:33

Ich bin unschlüssig, was ich von diesem Buch halten soll. Vielleicht gibt es jetzt einfach zu viele Bücher und Filme zu diesem Thema, die vorgeben, schonungslos alles aufzuzeichnen....?
Anne Frank ist für mich nach wie vor das eindrücklichste literarische Zeugnis dieser schrecklichen Zeit und bleibt unerreicht.

Lukas Müller aus Würenlingen

Montag, 02.11.09 09:40

Ich habe mich noch nicht entschieden, ob ich das Buch von Amelie Fried lesen will. ich sträube mich innerlich, gegen Anne Franks Tagebuch anzutreten; und dies ist einmalig und soll es bleiben. Von gewissen Sachen brauche ich es nur einmal - nicht weil mehr davon zuviel wäre, sondern weil es das Ganze füllt.

Gisa Gasser aus Wattwil

Freitag, 16.10.09 14:22

Das ist ein Buch, das mich etwas betroffen gemacht hat. Hier interessiert mich, wie die jungen Schweizer dieses Buch beurteilen.

Ich als Deutsche (und Schweizerin) habe das Buch voller Interesse gelesen, zumal ich 5 Jahre in Ulm gelebt hatte ( 1966 –1971). Erschreckend ist, wie wenig ich weiss!

Es ist ein sehr aufschlussreiches Buch, Amelie Fried hat es ohne Hass geschrieben und doch alles schonungslos aufgezeigt. Für die Senioren ein sehr gutes Dokument.

Deshalb, wie erleben die Kinder / Jugendlichen dieses Buch?

Von der Jury, die das Buch ausgewählt hat, ist es beachtenswert, ich finde das gut.